Vergessen sind der Eisbär Knut und seine Freunde. Jetzt erobern die Pinguine das Kinderzimmer. Es gibt gleich zwei neue wundervolle Bücher in denen die lustigen Gesellen im Frack die Hauptrolle spielen.
In dem Bilderbuch „Sag doch was" der englischen Künstlerin Polly Dunbar geht es um Gefühle und vor allem um Freundschaft. Der kleine Ben bekommt zum Geburtstag einen Pinguin geschenkt. Er freut sich riesig über seinen neuen Spielkameraden. Aber Pinguin reagiert überhaupt nicht auf die Bemühungen von Ben, mit ihm Freundschaft zu schliessen. Ben singt und tanzt, versucht Pinguin zum Lachen zu bringen…alles vergeblich: Pinguin sagt nichts! Schliesslich wird Ben wütend und ärgert Pinguin. Aber auch das bleibt erfolglos: Pinguin sagt kein einziges Wort! Am Ende gibt es dann aber doch noch ein überraschendes Happyend für die beiden, welches beweisst, dass Freundschaft ohne viele Worte auskommt.
In den wunderbar schlichten und eindrucksvollen Zeichnungen von Polly Dunbar wird der kleine Ben in allen seinen verschiedensten Gefühlsregungen dargestellt. Die Mimik, die mit wenigen Pinselstrichen erreicht wird, ist bemerkenswert. Aber auch Pinguin schliesst man sofort ins Herz. Auf Hintergründe wird vollkommen verzichtet, die Zeichnungen beschränken sich auf das Wesentliche. Die wohl bekannteste und beliebteste deutsche Kinder- und Jugenbuchautorin, Kirsten Boie, hat die wenigen, aber dafür umso wichtigeren Textpassagen der Buches mit viel Liebe und Feingefühl aus dem Englischen übersetzt.
Ein wunderschönes Buch – durchaus schon für Kinder ab 2 Jahren geeignet. Die Textwiederholung „Pinguin sagt nichts" am Ende jeder Seite wird sicher bald begeistert mitgesprochen werden.
Auch in dem folgenden Buch geht es um Pinguine. Allerdings nicht nur um einen, sondern gleich um 365! Daher lautet auch der Titel des Buches schlicht: „365 Pinguine".
Eine Familie bekommt am Neujahrstag ein Paket mit einem Pinguin. Zusammen mit einem Zettel: „Ich bin Nr. 1, bitte füttert mich". Aber dies ist nur der Anfang. Von nun an kommt jeden Tag ein Pinguin, der um Hilfe bittet, insgesamt 365 - einer für jeden Tag des Jahres. Bereits nach kurzer Zeit weiß die Familie nicht mehr wohin mit den Tierchen. Und natürlich stellen die kleinen schwarz - weissen Mitbewohner allerlei Unsinn an und bringen das Leben der Familie gehörig durcheinander. Bald platzt das Haus aus allen Nähten, Wagenladungen Frischfisch müssen herangeschafft werden und bei allem bleibt die Frage: Wo kommen die Pinguine bloss her und warum? Diese Frage klärt sich am Ende des Buches, als Onkel Viktor Emmanuel, der Ökologe, auftaucht. So regt das Buch am Ende auch noch zu einer umweltpolitischen Diskussionen an. Allerdings auf eine sehr nette und lustige Art und Weise und ohne erhobenen Zeigefinger.
Diese Kinderbuch ist etwas ganz besonderes. Nicht nur das extrem grosse Format und die sehr gute Qualität des Buches beeindrucken, sondern vor allem die witzige Geschichte und die lustigen Bilder der chaosstiftenden Pinguine. Eine weitere Besonderheit des Buches sind die vielen Rechenaufgaben und Zählbilder, die spielerisch eingebaut werden (immer mit der richtigen Lösung am Ende der Seite!).
Auch die Illustrationen sind sehr aussergewöhnlich. Sie sind ausschließlich in den Farben schwarz, weiss, blau und orange gehalten. Was sich gewöhnungsbedürftig anhört, ergibt einen grandiosen Effekt.
Für mich ist dies eines der schönsten Kinderbücher dieses Jahres.
„Sag doch was" von Polly Dunbar
Verlag Herder, Freiburg 2007
„365 Pinguine":von J. L. Fromental und J. Jolivet
Carlsen Verlag, Hamburg 2008